Bretagne - Mythen, Sagen, Legenden

Bretagne: Steil abfallende Landzunge an der Atlantikküste.
Die Bretagne - Ursprung fesselnder Mythen, Sagen und Legenden, die noch heute begeistern und in ihren Bann ziehen.

 

Die Zeit als die Kelten in der Bretagne und den umliegenden Regionen lebten, ist der Ursprung faszinierender Mythen, Sagen und Legenden über heldenhafte Ritter, schöne Prinzessinnen, romantischer Liebe und epischer Schicksale.

 

Die Geschichten wurden über Generationen mündlich überliefert, neu ausgeschmückt, an neuen Orten und Gegenden 'übersiedelt' und Namen angepasst. Manche der Legenden wurden aus weit entfernten Gebieten übernommen, adaptiert und neu erzählt. Erst viel später begannen mittelalterliche Dichter die Legenden aufzuschreiben.

 

Verschiedene der bretonischen Sagen und Mythen werden auch in Cornwall und anderen ehemals keltischen Regionen Großbritanniens und Irlands erzählt. Das war zu früherer Zeit so üblich. Urheberrechte gab es damals noch nicht. Dazumal zählte nicht, dass eine Geschichte neu sein musste, sondern wie sie erzählt und überliefert wurde. Die Schönheit der Sprache, die Lebendigkeit und Spannung, die eine emotionale Ergriffenheit erzeugten, waren die Kriterien der damaligen Zeit.

 

Über die Felder der Bretagne zu gehen, den Wind im Gesicht zu spüren, an den steilen Küsten des Atlantiks zu stehen, den Geruch des Meeres zu riechen, dem Kreischen der Möwen zu horchen, in die Ferne zu sehen und dabei in die Mythen, Sagen und Legenden einzutauchen - was gibt es intensiveres und romantischeres? Die Bretagne mit ihrer fesselnden Natur und historischen Spuren ist ein idealer Ort, um in die Legenden einzutauchen, zu entschleunigen und die Zeit sanft dahin fließen zu lassen.

 

Tristan und Isolde

Kernstück der Legende ist das Schicksal von Tristan und seiner Isolde. König Marke schickte seinen Neffen Tristan, die schöne Isolde mit einem Schiff von ihrer fernen Insel zu holen und ihm zur Heirat zu bringen. Auf der Rückreise tranken die beiden unbeabsichtigt einen Liebestrank und verliebten sich unweigerlich ineinander. Auch nach der Heirat von König Marke und Isolde liebten sich die beiden weiterhin und flohen schließlich gemeinsam. Das Ende der romantischen und tragischen Geschichte gibt es verschiedene Varianten, in der bekanntesten sterben die beiden gemeinsam, unweit des Meeres.

  

Die berührende Liebesgeschichte gehört sicherlich zu den bekanntesten und ergreifendsten Legenden der Bretagne. Der Dichter Gottfried von Straßburg schrieb im 12. Jahrhundert die Geschichte in mehr als 19'000 Versen nieder. Richard Wagner ließ sich von diesem Werk für seine Oper «Tristan und Isolde» inspirieren. 

  

Auf Fort la Latte wurde eine deutschsprachige Filmversion gedreht. Für mich persönlich ist das Cap Fréhel ein idealer Platz, um sich in die Geschichte von Tristan und Isolde zu versetzen. Laut einer der Versionen der Legende, sollen die beiden an der Landspitze von Penmarc’h im Südwesten der Region Cornouaille im Meer gestorben sein. Vor Douarnenez liegt eine kleine Insel, auf die Tristan geflohen sein soll. Zu seinen Ehren heißt die Insel noch heute nach ihm Île Tristan.

 

Die Legende der Stadt Ys

Der Legende nach lag in der Bucht von Douarnenez vor langer Zeit die Stadt Ys. Der Herrscher der Stadt, König Gralon, hatte lediglich eine Tochter, die er um alles in der Welt liebte. Prunk und Luxus zeugten vom Reichtum der Stadt. Ausschweifungen jeder Art gehörten zum Alltag. Auch die schöne Königstochter Dahut führte ein lasterhaftes Leben.

 

Gralon war sich bewusst, dass die Ausschweifungen ins Verderben führen und seine Tochter Dahut mit in den Abgrund ziehen werden. Er betete deshalb immer wieder zu Gott und bat ihn, seiner geliebten Tochter und seinem Volk die Augen zu öffnen - jedoch ohne Erfolg.

 

An einem Abend, als seine Tochter ein neues Gelage eröffnete, nahm das Unheil seinen Lauf. Die Erde begann zu beben, Blitze erhellten die schwarze Nacht und ohrenbetäubender Donner kündete einen verheerenden Sturm und die heranbrausende Flut an. Die Flut überschwemmte die Straßen, quoll in die Häuser und riss die Einwohner mit sich.

 

Gralon hastete zu seiner Tochter, griff nach ihr und bestieg ein Pferd, dass die beiden in Sicherheit bringen sollte. Die Flut aber entriss Gralon seine Tochter und riss sie zusammen mit der gesamten Stadt in die Tiefe. Laut der Legende ist die Stadt noch heute im Meer versunken.

Weil das keltische Lied «Gwerz Kêr-Is» über das Schicksal der schönen Königstochter so herrlich Herz zerreißend ist, hier das Youtube-Video von Yann-Fañch Kemener:

 

Eine weitere Legende besagt, dass sich die schöne Königstochter Dahut in den Fluten der Hölle von Plogoff am Pointe du Raz  einen ihrer Liebhaber entledigte.


Die Legende von König Marc'h

Die Legende des sagenumwobenen König Marc'hs ist eine Verbindung der Legenden von Tristan und Isolde und jener der versunkenen Stadt Ys. Auch diese Legende spielt sich in Cournavaille ab, in jener Region in der Marc'h König war.

 

König Marc'h habe ein Pferd besessen, von einmaliger Gestalt und unglaublicher Geschwindigkeit. Schneller als der Wind sei der Hengst galoppiert erzählt man sich, und wegen seiner Geschwindigkeit habe der Hengst nicht einmal Spuren hinterlassen. Morvac'h sei der Name des edlen Rappen gewesen, Seepferd auf deutsch übersetzt.

 

Marc'h sei mit seinem edlen Hengst zur Jagd geritten und habe die schönsten und größten Wildtiere erlegt, dank seiner Treffsicherheit mit dem Bogen und der Geschwindigkeit seines Pferdes. Als er wieder einmal auf die Jagd geritten sei, habe er eine weiße Hirschkuh entdeckt. Die Kuh habe ihn gesichtet und noch bevor er seinen Bogen habe spannen können, sei sie in Windeseile davon galoppiert, noch schneller als der Hengst ihr folgen konnte.

 

Erst das Meer habe ihre Flucht gestoppt. Als sie sah, wie König Marc'h seinen Bogen spannte und den tödlichen Pfeil abschoss, sei eine Träne aus einem ihrer Augen geflossen. Der Pfeil habe sich darauf hin gewendet, sei zurück geflogen und habe sich in das Herz des feurigen Hengstes gebohrt.

 

Als der König sich erhoben und zu ihr auf sah, habe er eine wunderschöne, blondhaarige junge Frau an der Stelle der Hirschkuh entdeckt. Es habe sich um Dahut, die Tochter von Gralon gehandelt, die aus den Tiefen des Meeres auferstanden sei. Sie sei auf ihn zugegangen, habe zärtlich ihre Hand auf seinen Kopf gelegt und gesagt, dass sie sein Leben verschont habe, als er sie mit dem Pfeil töten wollte. Sie habe ihn in diesem Moment stattdessen verflucht. Marc'h seien die Ohren und die Mähne seines Hengstes Morvac'hs gewachsen. Dahut habe sich darauf hin auf den Hengst gesetzt, ihn zum Leben erweckt und sei mit ihm in das Meer geritten.

 

Wie so oft bei Legenden verläuft auch diese unterschiedlich weiter. In manchen Versionen versteckte sich Marc'h darauf hin in seinem Schloss bis er starb, in anderen Versionen ließ er sich die Ohren und die Mähne von Friseuren schneiden, ohne Erfolg, bis schließlich ein alter Friseur zu ihm kam und ihn von seinem Schicksal befreite.

 

Marc'h, also Marke, war der Onkel von Tristan und der Ehemann von Isolde.

 

Douarnenez liegt in der Nähe von Pointe du Raz und Quimper. Im Musée des Beaux-Arts in Quimper finden sich unterschiedliche Werke mit Bezug zu den Sagen.

 

Die Artus-Sage

Die Sage von König Artus wird - wie andere Sagen ebenfalls - an verschiedenen Orten zugeschrieben. So etwa überliefern britische Quellen seit dem 9. Jahrhundert Geschichten über König Artus. Nach anderen Quellen lebte Artus und seine Getreuen in den Wäldern der Bretagne. Zu den Rittern der Tafelrunde gehörten unter anderem auch Tristan und Parzival, dem in Deutschland gefeierten Helden in dem nach ihm benannten Werks von Wolfram von Eschenbach.

 

Um König Artus und seine Ritter ranken viele Sagen, wie die Geschichte seines Schwertes Excalibur, das nur Artus aus dem Stein zu ziehen vermochte. Artus hauptsächliche Berufung war die Suche nach dem Heiligen Gral, einem Gefäß in dem das Blut Christus aufgefangen worden sei, als er am Kreuz hing. Den Gral vermutete Artus im Zauberwald von Brocéliande, in der Nähe von Rennes.

 

Die traurige Legende von Merlin und der Fee Viviane

Der mythische Zauberer Merlin war ein Berater und Mentor von König Artus. Merlin war es, der das Schwert Excalibur in einen Stein steckte. Nur der künftige König könne das Schwer aus dem Stein herausziehen, hieß es. Und tatsächlich scheiterten ehrenwerte Ritter und Adlige bei ihrem Versuch. Erst Artus gelang es, das Schwert herauszuziehen. 

 

Merlin selbst ist Hauptakteur einer Legende. Er habe sich im Wald von Brocéliande unsterblich in die Fee Viviane verliebt, wird erzählt. Um ihr zu gefallen, habe er begonnen, Viviane in seinen Zauberkünsten zu unterrichten. Immer weitere Geheimnisse offenbarte er ihr, bis sie ihm schließlich eine törichte Lüge aufband. 

 

Sie erzählte Merlin, dass ihr Vater, der König von Comper, sie daran hintere, zum ihm zu kommen. Sie bat Merlin deshalb, ihr seinen größten Zauber zu verraten, wie man eine Person ohne Wände einzuschließen vermöge. Der verliebte Merlin verriet Vivianne auch diesen Zauber. Als er spät am Abend einschlief, nutzte die Fee den Zauber und zog einen Kreis um den schlafenden Merlin. Von da an war er gefangen in einer Weißdornhecke, in der er schließlich starb.

 

Der Legende nach soll seine Seele und sein Geist noch heute über den Wald von Brocéliande wachen.

 

Die Legende des Feen-Felsens

In längst vergangenen Zeiten errichteten die Bewohner der Bretagne riesige Megalithen-Stätte und Dolmen. Die größten Megalithen-Stätte der Welt befindet sich in Carnac. Mehr als 3000 Hinkelsteine wurden seinerzeit der Größe nach geordnet auf einem der Felder in verschiedenen Reihen aufgerichtet. Auch Dolmen wurden in Carnac und dem benachbarten Erdeven aufgestellt. Dolmen sind Steingebilde, bei welchen immens schwere, flache Steinblöcke quer über seitlich angebrachte Steinwände gelegt werden. Warum und wie die Dolmen errichtet wurden, ist heute ein Rätsel. Forscher vermuten, dass es sich um Gräber gehandelt haben könnte.

 

Der größte Dolmen Frankreichs befindet sich in einem kleinen Weiler der Gemeinde Retiers, rund 25 Kilometer (Luftlinie) von Rennes entfernt.  Der Dolmen «La Roche-aux-Fées» ist rund 20 Meter lang und etwas mehr als 5 Meter breit. Insgesamt 41 Felsblöcke wurden für das beeindruckende Werk genutzt.

 

Der Legende nach wurde der Dolmen von Feen in gerade einmal einer Nacht erbaut, angeführt von der sagenumwobenen Viviane, der vom Zauberer Merlin geliebten Fee. Der Sage nach blieben frisch verliebte Paar ein Leben lang glücklich vereint, wenn sie beim Zählen der Steine auf die gleiche Anzahl kämen. 

 

Surcouf - der Freibeuter von Saint Malo

Weniger eine Legende als viel mehr eine tatsächliche Gegebenheit ist die Geschichte des Korsaren Robert Surcouf. Er lebte von 1773 bis 1827 in Saint Malo, an der Côte d'Émeraude, der bretonischen Smaragdküste. Der abenteuerliche Freibeuter ging mit seiner wilden Mannschaft auf seinem Schiff «Renard» auf die Jagd von holländischen und englischen Handelsschiffen, die der Küste entlang zu ihren Häfen fuhren. Der Legende nach sei er derart erfolgreich gewesen, dass er sich bereits mit etwas über 30 Jahren zurückziehen und sein Leben genießen konnte. Surcouf durchbrach mit der Kaperung der feindlichen Schiffe die Kontinentalsperre und wurde deswegen von Kaiser Napoléon zum Baron erhoben. 

 

Eine Statue am Ufer von Saint Malo erinnert an Surcouf. Entschlossen zeigt die Statue mit der Hand in Richtung Meer, dem Feind entgegen, während die andere Hand seinen Säbel umfasst, bereit für den Kampf. Karl May verewigte ihn in zwei seiner Werke («Robert Surcouf- ein Seemannsbild» und «Halbblut» als Kaperkapitän). Sein Leben wurde mehrmals verfilmt.

 

Übersicht der schönsten Sehenswürdigkeiten der Bretagne

Sehenswürdigkeiten Bretagne: Festung auf den Felsen vor Saint Malo.

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Portraitfoto Stefan Schär, Autor des Reisblogs «mitREISEnd.ch»
Stefan Schär
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